Danke Hollywood, dass du regelmäßig mein Leben zerstörst


Als der Abspann lief und all die Namen über die schwarze Leinwand huschten, die mein Leben zusammengeschnitten hatten, war ich dankbar und erfüllt. So ein Leben hätte sich jeder gewünscht. Es hat ihm an nichts gemangelt. Nicht an Irrtümern, Anekdoten, Tiefgründigkeit und Liebe. Geschwungen geschriebenen Briefen, tragischen Todesfällen, ungewollten Schwangerschaften, den pink gefärbten Haaren der besten Freundin. Mein Leben war ein Film, der über Jahre handelte. In denen ich komprimiert in 90 Minuten alles erlebte, was ich mir in der ersten Szene nie gewünscht habe.

Ich war ein Wildfang. Meine lockige Mähne nicht zu bändigen. Keine Konsequenzen kannte meine Lebensfreude. Ich wollte genießen, erleben und frei sein von der kleinbürgerlichen englischen Stadt, aus der ich sonst nie herauskommen würde. Ich wollte mehr als nur morgens Aronal und abends Elmex. Meine Mutter ist konservativ, doch ich bin ein Papakind. Papas Träume sind auch meine Träume, und seine Art, wie er mich akzeptiert, gibt mir die Stärke ich selbst zu sein. Ich liebe meinen besten Freund, Gott weiß wie lange schon. Er hat Grübchen, zuckersüße Grübchen wenn er lacht. Und er sieht in mir etwas besonderes. Er sieht mehr in mir, als das wirre Ding, das sich selbst im Weg steht und sich dabei so bezaubernd die Tränen von der Stupsnase wischt. Das, was ich fast erkannt habe. Bis das Timing mir einen Streich spielte. 

Es mag klingen wie ein Klappentext, doch es riss mich in den Abgrund. 20 Minuten lang war ich ganz betrübt. Meine Augen waren stets gerötet. Bei jedem Cut trug ich andere Kleidung. Mein Haar wurde immer kürzer. Ich alterte im Sekundentakt. Immer war ich unglücklich, aber immer blieb ich wunderschön. Und immer half mir mein Humor wieder auf die wackeligen Beine. Wie meisterte ich doch mein Leben. Beinahe riss mich der hektische Schnitt aus dem Takt, und manch ein Szenenwechsel tat so brutal weh, dass ich hechelte wie ein Hund, wenn ich wieder einmal vom Sinneswandel gepackt zum Flughafen rannte, um eine Hochzeit aufzuhalten. 

Mein Feindbild waren Blondinen. Böse Frauen sind immer Blondinen. Sie sind affektiert und tragen figurbetonte Kleider. Sie jagen einem anderen Ideal hinterher, dem großen Geld und dem Ruhm für nichts und wieder nichts. Und doch wollen sie die Grübchen meines besten Freundes. Denn er strahlt die Unsicherheit aus, die er tief in seiner Seele empfindet, seit ich ihn betrunken geküsst habe und es wieder vergaß. 

Verdient hat er es. Mich hat auch niemand gefragt, ob ich Mutter werden wollte. Und jetzt lebe ich nach meinen Regeln. Der Vater meines Kindes hat nichts im Hirn, aber er kann toll Umzugskartons und Sonnenbrillen tragen. Und wenn wir mit Folk-Pop untermalt um einen Küchentisch rennen und Drachen am Strand steigen lassen, sehen wir für 30 Sekunden aus wie eine richtige Familie. Unsere Wände sind sonnengelb, wie das Licht, das glückselig auf mein Gesicht scheint, wenn ich das Lachen meiner Tochter höre. Doch auch er war ein Idiot. Als er mich betrogen hatte, sah ich das ein. Das Leben auf der Leinwand ist hart. Immer muss man erst betrogen werden, bis man sich trennen darf. Wutentbrannt reiße ich meine halbe Wohnung runter, genau in den Umzugskarton, mit dem dieser Schwachkopf eingezogen ist. Auch die Blondine meines besten Freundes war gar nicht schwanger von ihm. Sodass er sich die nächste nahm. 

Mein Vater starb, und von seinem Nachlass kaufte ich mir das Hotel, das ich immer in meinen Träumen sah. Wir strichen Wände, meine Freunde und ich. In den buntesten Farben, malten unsere Gesichter an und lachten in die Zukunft. Und so stand ich nun am Fenster und wartete, bis zwei Grübchen auf mich zukamen und sagten, sie hätten ihre Fehler eingesehen und seien für immer stolz auf mich. Was für ein schönes Leben. 
Ende. 

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