Schlagfertig und Kugelfest - Liebe entlarvt jeden Mörder


Ironische Eingangsmusik. Zwei schnaufende Cops hängen in Uniform an Kletterseilen und hangeln sich um die Wette bis zur Decke hoch. Unter ihnen ihre beiden Partner, die sie wie bei den Bundesjugendspielen vom Rand anfeuern. "Komm schon Hank", ruft die Frau. "Ich hab 20 Dollar auf dich gesetzt, damit ich sympathisch und locker wirke, um meinen Kollegen verliebt in mich zu machen, damit wir neben den offensichtlichen Mordfällen eine Lovestory zu erzählen haben!" Plötzlich öffnet sich die Tür. Die Lacher verstummen. Der Boss kommt rein, eine chronisch mies gelaunte Karrierefrau in den 50ern, die niemals lächelt und sich von allen "Sir" nennen lässt. Aggressiv schaut sie in die Gesichter der Polizisten. 
"Ich sage das jetzt nur einmal, damit ich danach bedeutungsvoll die Tür schließen kann, um autoritär zu wirken: Wir haben einen neuen Fall." 
Sie knallt die Tür zu. Hank fällt wie ein nasser Sack vom Seil. Lacher. Schnitt. 

Chief Inspector Mike Mc Miller Middlewest reibt sich die Augen. Eine Schweißperle rinnt sein kantiges Gesicht hinab. Es ist ein warmer Spätsommerabend und noch lange nicht Feierabend. Rotes Abendlicht dringt durch die Jalousien auf sein Antlitz. Der Pistolengürtel reibt am muskulösen Bauch entlang. Doch noch darf er ihn nicht lockern. Noch haben sie einen Fall zu lösen. Seit Tagen sitzen Miranda und er fest an diesem ominösen Mordfall. Das Police Department liegt voller Chinesisch to Go Boxen und seit Tagen haben sie nicht geschlafen. Auch nicht miteinander.

Mike sieht seiner Kollegin tief in die haselnussbraunen Augen. Langsamen Schrittes geht er auf sie zu, greift sie dramatisch an den Schultern und sagt: 
"Miranda, lass uns einen Kaffe trinken gehen." 
Wie ein Reh im Scheinwerferlicht schaut sie zurück. 
"Nein Mike, das geht nicht." Betreten wendet sie den Blick zu Boden. "Ich hatte eine schlimme Kindheit und kann keine emotionale Nähe mehr zulassen. Meine Mutter war Alkoholikerin, hing an der Nadel und brachte gewalttätige Männer nach Hause. Wir wohnten in einer gefährlichen Gegend, in der jeder entweder Mörder oder Rapper werden wollte. Mein Vater kam bei einer Schießerei ums Leben, was der Grund dafür ist, dass ich jetzt Polizistin bin. Seit seinem Tod kann ich mich nicht auf Menschen einlassen, aus Angst vor dem Gefühl wieder verlassen zu werden." 
Mike nickt betreten. "Wie konnte ich das nur vergessen, Miranda. Ich werde nie mehr so offen fragen, damit es nicht so offensichtlich wird, wenn wir zusammenkommen. Aber ich werde immer auf dich warten." 
"Das ist nett von dir, Mike. In sechs Staffeln würde ich bestimmt gerne einen Kaffee mit dir trinken gehen." Sie wenden sich wieder der Pinnwand zu.

Kollege Hank durchbricht die Stille und hängt sich gewollt locker in die Tür rein. "Hey Leute, ich muss kompensieren, dass ich niemals so lässig wirken werde wie mein Quotenausländer-Kollege, deshalb bin ich immer schneller als er. Die Autopsie ist abgeschlossen. Ihr könnt jetzt in den Leichenkeller gehen." 
Mike und Miranda setzen sich in Bewegung. Miranda dreht sich noch einmal um. "Kommst du mit, Hank?" 
Hank schüttelt den Kopf. "Nein, zu meiner tragisch-humorvollen Figur passt es, dass ich kein Blut sehen kann. Geht besser ohne mich." 

Im Leichenkeller, der wie das Innere eines Kühlschranks beleuchtet ist, stehen sie um einen mittig aufgestellten Tisch herum. Ein toter Körper wölbt sich unter dem Tuch verdeckt, nur die bleichen Füße gucken heraus. Mit rot lackierten Fingernägeln hält die Pathologin ein Reagenzglas in die Höhe. "Leichen zu durchschneiden ist sexy", stöhnt sie durch ihre roten Lippen und streicht den weißen Kittel zur Seite, damit man ihr eng anliegendes Abendkleid und die hohen Schuhe besser sehen kann. Der Quotenausländer-Kollege spitzt die Lippen. Langsam stolziert sie in seine Richtung und bleibt direkt vor seinem Gesicht stehen. 
"Ich habe das Gehirn des Opfers in Scheiben geschnitten wie einen Blumenkohl. Wie gefällt dir das?" Mike und Miranda schauen peinlich berührt zu Boden. "Darin habe ich irgendein Beweisstück entdeckt, dass euch in dem Fall immens weiterhilft. Es war entweder der Bruder des Opfers, oder seine Exfreundin." 
Der Cop kneift entschlossen die Augen zusammen. "Bestimmt waren es beide und sie hat ihn mit seinem Bruder betrogen, und es ist aufgeflogen", entgegnet er mit brummender Stimme. 
Miranda schaltet sich ein. "Das können wir noch nicht so schnell sagen, wir haben noch zehn Minuten Sendezeit zu füllen. Erst müssen wir beide verhören." 

"Ich habe ihn nicht umgebracht, ich habe ihn nur drei Jahre lang im Wandschrank mit seinem Bruder betrogen", schnieft die barbieblonde Exfreundin in ein Taschentuch. "Sie hat Recht", sagt der Bruder des Opfers und legt eine Hand auf ihre Brust. "Ich habe ihn umgebracht, als er es herausgefunden hat. Seine Steuern vom Familienbetrieb haben wir auch noch hinterzogen und wollten damit in den Urlaub fliegen. Ich wollte schon immer mal nach Kuba." Er gibt ihr einen feuchten Zungenkuss. 

"Wir müssen irgendetwas übersehen", grübelt Mike vor sich hin, während er gedankenverloren auf einer alten Ledercouch im Police Department liegt. 
Miranda runzelt die Stirn. "Warum liegst du eigentlich immer auf dieser Couch und wir anderen müssen uns an den alten Schreibtischen den Rücken ruinieren?", fragt sie beleidigt. 
Mike rollt mit den Augen. "Weil ich so geistreicher wirke." Plötzlich springt er auf und schreit: "Ich hab's! Es waren beide. Sie sind ein heimliches Paar und das Opfer hat es herausgefunden. Gerade sind sie am Flughafen und wollen sich mit dem Geld nach Kuba absetzen." 
Miranda reißt begeistert die Augen auf. "Du bist ein Genie, Mike. Wir müssen so schnell es geht den gesamten Flughafen lahmlegen, damit für einen halben Tag niemand mehr das Land verlassen kann. Und dann fahren wir total übertrieben mit vier Streifenwagen los, um sie einzukesseln und alle Menschen am Flughafen in Angst und Panik zu versetzen." 

Nach einer actionreichen Verfolgungsjagd durch die Absperrbänder des Flughafens legen Miranda und Mike das Paar in Handschellen und lassen es unter den Augen etlicher Urlauber in Hawaihemden ins Präsidium abführen. Hank und sein Kollege zerren sie mit sich. "Sie sind verhaftet. Alles was sie jetzt sagen kann und wird vor Gericht gegen Sie verwendet werden. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen sie die Packungsbeilage und.." Ihre Stimmen entfernen sich. Mike und Miranda schauen sich vielsagend an. 
"Ich werde jetzt sagen, dass ich finde, diese ausgezeichnete Partnerarbeit sollte mit einem kitschigen Abendessen in meiner Wohnung bei Kerzenlicht belohnt werden", schmachtet Mike. 
Miranda lacht affektiert. "Und ich werde jetzt schlagfertig entgegnen, dass wir uns noch einen neuen Witz für die nächste Anfangsszene überlegen müssen. Dann werde ich selbstbewusst aus dem Bild gehen und dich wie einen Idioten hier stehen lasse, damit du mir fasziniert hinterherschaust und wir ein offenes Ende haben." Abspann. 





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