Ein Banküberfall & Blumen zum Trinken - Das war mein März




Laut der geschäftigen Influencer, die mit 25 schon ihre Autobiografie veröffentlicht haben, soll man in einem wöchentlichen Abstand aus seinem Leben berichten. Das würde angeblich eine persönliche Bindung zwischen Leser und Autor schaffen. Angeblich soll meine Generation aber auch so stark unter Bindungsangst leiden, dass sie die Angst vor regelmäßigen Treffen und Verpflichtungen schon fast wieder chic gemacht hat. Wöchentlich aus meinem Leben zu hören, ohne je zuvor ein schlechtes Date auf einer Parkbank oder im Planetarium mit mir gehabt zu haben, erscheint auch mir gruselig. Außerdem bin ich ganz ehrlich, möchte ich mir auch nicht selbst die Möglichkeit nehmen, eine absolut ereignislose Woche zu haben. Das Recht auf Ereignislosigkeit ist etwas, wofür ich absolut einstehe. Deshalb sind hier nun nicht meine wöchentlichen, sondern monatlichen Empfehlungen, folgendes auch mal zu tun:

1. Großen Menschen dabei zusehen, wie sie Fotos mit Felix Lobrecht machen 


Auf der Bühne wirkt Felix Lobrecht wie stolze 2 Meter 10. Der neue Oberlippenbart tut einiges dafür. Die Arme auch. Wenn er sich dann noch über Behindertenparkplätze und Kanaken in der Innenstadt aufregt, ohne Angst vor strafrechtlicher Verfolgung zu haben, sind es bestimmt 2 Meter 30. In seinem neuen Bühnenprogramm „Hype“ traut sich der Berliner die Art von Comedy, die bei RTL gepiept werden würde. Jedes Mal einen zu trinken, wenn Felix geflucht hat, hätte das Koma zahlreicher münsteraner Studenten bedeutet, und einen daraus resultierenden Lehrermangel, der bundespolitisch nicht mehr zu verantworten wäre. Gefühlt jeder wollte anschließend ein Bild mit ihm machen. Dass wir aber tatsächlich einen 2 Meter 10 Typen dabei hatten, der neben dem diskret kleineren Felix aussah wie sein Taufpate, brachte nicht nur die gesamte Schlange an Fans zum Lachen, sondern auch ein klitzekleines verkniffenes Schmunzeln auf Felix‘ cooles Selfiegesicht. 


2. Rosenlimonade im Kino trinken und sich eine Stunde darüber aufregen, dass Blumen nicht in Nahrungsmittel gehören 




Ich meine mir eine dezente Note von Erde eingebildet zu haben. Beweisen kann ich nichts, aber ich wüsste abgesehen davon wirklich gerne, warum kleine Kinos nur Getränke anbieten, die Obst und Gemüse miteinander kreuzen. Diese beiden Unterarten haben nicht aus Spaß unterschiedliche Namen bekommen. „Ein Gauner & Gentleman“ ist übrigens ein schöner Film. Er handelt von der wahren Geschichte, wie ein 70-Jähriger Rentner eine Bank nach der nächsten ausraubt, nur mit einem Bitte und Danke. Wären Kriminelle doch heute so höflich. Bevor es mir wieder entfällt noch ein kleiner Hinweis an die Kinobetreibenden: Spielt nicht vor einem Film seinen eigenen Trailer ab. Es stiftet Verwirrung und ich musste noch nie so häufig hintereinander aufstehen, wie an diesem Abend. 



3. Ein Buch über seine Generation lesen und sich ganz doll ärgern


Bücher von jungen Menschen unter 40 sind normalerweise gruselige Selbstversuche oder bestehen aus so vielen kleinschrittigen Fotos von Kochrezepten (nun rührst du Buchweizen unter), dass sie auch als Daumenkino vermarktet werden könnten. Dieses Buch ist anders, nämlich schlau. Es geht um Bankenkrisen und den Tod der Zeitung. Um Social Media Sucht und das Verliebtsein in sich selbst. Um Start Ups und die Angst vor Veränderung. Milosz Matuschek ist kein Hemingway. Man wird auch nicht darüber staunen, wie emotional aufgewühlt einen „Generation Chillstand“ zurücklässt, oder welches außergewöhnliche Adjektiv einem den Schlaf raubt. Aber allein aufgrund des Titels hat es dieses Buch verdient, gelesen zu werden. Der Autor verdeutlicht einem auf brutale Weise, wie die Generation Y sich unterbuttern lässt wie keine Generation vor ihr. Es ist ein kleiner Weckruf auf 250 Seiten, und einfach lesenswert. 

4. Unter klarem Sternenhimmel „Rocket Man“ von Elton John hören


Die Straße muss menschenleer sein. Der Himmel klar, die Luft kühl. Der Blick nach oben, die Arme ausgebreitet. Der Atem ruhig, der Kopf frei. Mehr braucht es nicht. Mehr gibt es nicht zu sagen.

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