Männer sind Mörder


Um nur mal eben den Kontext einzuordnen, in dem dieser Gedanke hier stattfindet: Ich bin eine Frau. Ich habe weibliche Geschlechtsorgane, habe früher nicht bloß Diddl-Blätter gesammelt, sondern für mein Alter auch noch mit äußerst wirtschaftlichem Geschick mit Diddl gedealt. Ich gucke gerne Filme mit starker weiblicher Hauptrolle, vorzugsweise im viktorianischen Zeitalter, damit ich mich über Korsetts aufregen kann. Ich besitze genau die Anzahl an geöffneten und vertrockneten Nagellackfläschchen, die mich für die Bezeichnung Frau qualifizieren. Mein Auto ist ein Lagerraum auf Rädern, hauptsächlich von Pfandflaschen, etlichen Taylor Swift CD's, der einen CD von Coldplay, weil da "Fix You" drauf ist, und Kontoauszügen im Minusbereich. 

Die Rückseite meines Autos hat sich schon an einigen Pollern und Pömpeln verewigt, weil ich beim Ausparken meine weiblichen Multitasking-Fähigkeiten unter Beweis stellen musste, und zeitgleich "Ich fahr jetzt los" in mein Handy getippt habe. Donnerstage sind per Gesetz gute Tage, weil ich entweder alleine Germany's next Topmodel gucke, oder im Rudel. Hauptsache ich übe hinterher sexy Posen im Badezimmer. Mir ist ständig kalt, im Restaurant bestelle ich gerne etwas mildes mit Hähnchen. Und wenn ich traurig bin, kaufe ich bei Ikea Teelichter und flauschige Kissenbezüge. Ich erfülle das Klischee einer Frau. 

Und dennoch sitze ich nicht jeden Morgen aufrecht im Bett und schärfe gierig meine Messer, um alten weißen Männern die Klinge anzusetzen. Um mich herum wird schon viel emanzipiert. Ich könnte mich darüber freuen, wie andere für mich die Arbeit machen, sich für mein Geschlecht einsetzen. Aber genau da liegt das Problem. Ich bin mittlerweile an dem Punkt angelangt, an dem ich schon so oft den Begriff Geschlecht in den Medien gehört oder gelesen habe, dass es für mich wieder dieses eklige Wort geworden ist, das damals im Sexualunterricht zurecht ein lautes "Ih!" verdient hat. Manchmal nervt mich Feminismus. 

In einer Fernsehreportage über eine Künstlerin, die sich mit ihren Gemälden für Gleichberechtigung einsetzt, habe ich am gestrigen Abend mehr Geschlechtsteile sehen müssen, als die Bravo jemals abdrucken könnte. Diese Frau malte nacktes Fleisch. Nur nacktes Fleisch. Teilweise befand ich mich in einem Kaleidoskop aus Schamhaaren. Da war keine verschneite Winterlandschaft zwischen ihren Bildern, kein Stillleben verschrumpelter Zitronen. So lobenswert ihre politische Grundhaltung auch sein mag - für voll zurechnungsfähig hielt ich diese Frau mit Faszination für Dinge südlich des Äquators nicht besonders. 

Sie wollte weg von den lieben Frauenbildern, die zu allem Ja und Amen sagen. Auch Frauen könnten Mörder sein, sagte sie entschlossen. Na klar, selbst das Morden haben Männer Jahrhunderte lang für sich beansprucht. Männer sind Mörder. Aber damit ist jetzt endlich Schluss. Wir Frauen wollen auch mal jemanden umbringen dürfen. Wenn schon Gleichberechtigung, dann aber auch in jeder Hinsicht. 

Ähnliches in einem Post auf Tumblr, der Plattform für Mitteilungsbedürftige, die sich nicht von den 280 Zeichen auf Twitter ihre wertvolle Redefreiheit beschränken lassen. "Männer dürfen Kleider tragen, Frauen dürfen masturbieren" sagt das hübsche Bild mit rosa Hintergrund. Dass mir keine Eier wachsen, obwohl ich meine Beine regelmäßig in Hosen stecke, ist zumindest mir schon früh aufgefallen. Aber ich finde es nur nett vom Tumblr-Mädchen, dass sie den armen Männern ihre abgetragenen Kleider überlässt. Endlich eine kleine Pause vom ständigen Masturbieren. 

Als Mann wäre ich spätestens jetzt genervt vom Feminismus. Ich bin es allemal. Denn während Frauen händeringend versuchen, ihre alten Klischees und Rollenbilder abzuschütteln, benutzen manche von ihnen genauso alt daherkommende Bilder von gewalttätigen und sexsüchtigen Männern, um sich abzugrenzen. Wenn jedes Wort eines Mannes heute zehn Mal gedreht und gewendet wird, dann müssen Frauen das ebenso aushalten können. Das ist Gleichberechtigung. Irgendwann darf dann niemand mehr irgendetwas sagen, und zugegeben ist das auch nicht Sinn der Sache. Aber nur ein Tag Ruhe und Frieden, nur ein einziger Tag ohne das Gerede um die Frauenquote, den Vaterschaftsurlaub, das Abtreibungsgesetz  - wäre das nicht ein Traum? 

Kommentare

Anonym hat gesagt…
Sehr chilliger Text!
Ich feier deinen Blog, weil du frei raus Themen in einer unterhaltsamen Art ansprichst und dabei nicht zu serious damit umgehst. Genau in solch einem Stil sollten mehrere Texte zu lesen sein, damit die Lockerheit des Lebens, welches jeder nur einmal leben darf, in Vordergrund gelangt.
Und dass der Mensch eine seltsame Spezies ist unterschreibe ich direkt.

Beste Grüße und nochmal Danke,
Niklas Drücker (23)
Sophia Schmidts hat gesagt…
Hallo Niklas, vielen Dank für deinen lieben Kommentar. Das freut mich sehr! Liebe Grüße zurück, Sophia