Wassermelonen und Liegenreservierer - Das war mein August

Sich genügend Flüssigkeit zuzuführen ist eine empfehlenswerte Sache, selbst wenn der eigene Körper zu 70 % aus Wasser besteht, man auf dem Meer ringsum von Wasser umgeben ist, und einem das Wasser vom Scheitel bis in die Schuhe perlt. 

Hier sind einige Dinge, die ich diesen Monat gelernt habe. Manche von ihnen mögen vielleicht banal erscheinen. Doch mir ist diesen Sommer regelrecht ein Licht aufgegangen - in Form von schweißerregendem Sonnenlicht über dem Mittelmeer, begleitet von einer angenehm drückenden Luftfeuchtigkeit von 55 Prozent. Zehn Jahre Holzhütte in Dänemark konnten mich nicht auf meinen ersten Pauschalurlaub vorbereiten. Hier sind meine Favoriten, garantiert ohne Markennennung und Schleichwerbung.

1. Spätestens wenn man in einem zerbeulten Bus sitzt, der eine halbe Stunde mit laufendem Motor am Flughafen steht, und der Fahrer vollkommen gelassen eine Zigarette nach der nächsten raucht, realisiert der Kopf, dass man Deutschland verlassen hat. Golf Cart Fahren jedoch könnte mein neues Hobby werden. Gäbe es nicht die Straßenverkehrsordnung, würde ich damit jeden Tag zur Uni fahren und meine Kommilitonen zuparken, die vom Tomate-Mozzarella-Salat immer nur Mozzarella rausfischen.

2. Resorts sind wie Kindergärten, nur mit Buffet. Jeder Schritt wird überwacht, jeder Wunsch erraten, bevor er einem selbst eingefallen ist. Bis man glaubt, dass man tatsächlich nichts mehr davon alleine kann. An allen Ecken steht ein Mensch mit Tablett, der gierig auf deinen Teller lauert und ihn beim kleinsten Blinzeln verschwinden lässt, sobald er leer gegessen ist. Es ist ein ganztägiger Solarium-Besuch mit pädagogischer Betreuung. Meine Urlaubslektüre war "1984" von George Orwell, eine Dystopie über die Schrecken eines Überwachungsstaates. Nach einigen Kapiteln begann ich nur noch einsilbige Antworten zu geben, wenn ich nach meinem Befinden gefragt wurde. Sicher ist sicher. Im nächsten Urlaub lese ich besser Rosamunde Pilcher.

3. Halbpension ist nichts für Weicheier, und Futterneid existiert. Man will immer, was man nicht haben kann. Es ist wie auf einer Autobahnfahrt. Den ganzen Weg über kann man keinen Harndrang verspüren, aber sobald der erste Stau kommt, herrscht Panik im Auto. Aber wenn man sich beim Abendessen exzessiv von Wassermelonen ernährt, spart man nicht nur das überteuerte Tafelwasser, das es in der selben Plastikflasche am Kiosk für die Hälfte gibt. Man entdeckt auch Seiten an sich, die im Ausland gerne als "Deutsch" bezeichnet werden. Während man das ganze Essen darüber brütet, ob man nun so etwas wie Nationalstolz empfindet, oder ob das einfach nur noch peinlich ist, besprechen die Tischnachbarn den Lageplan: Wecker auf 6 Uhr, Handtuch auf Liege platzieren, schlafen legen. Und mir wurde klar, das letzte Mal Nationalstolz hatte ich, als Lena den ESC gewonnen hat.

4. Unterschätze niemals, niemals, den Anblick des Meers. 

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